Unser erster Wohnwagen-Campingurlaub führte uns in den Schwarzwald, genauer in die Nähe von Todtnau zu Camping Hochschwarzwald. Ziel war nicht nur ein kleiner Test des Wohnwagens unter echten Bedingungen, sondern auch gleich der Besuch der Caravan Live 2025 in Freiburg.
Die Anreise
Zugegeben, vor der ersten Fahrt mit Wohnwagen am Auto hatte ich schon Respekt. Schwirrten doch viele Fragen in meinem Kopf herum: Komme ich mit meinem Gespann auch durch enge Ortschaften? Muss ich irgendwo damit wenden? Klappt der Bezug des Standplatz auf dem Campingplatz ohne Mover?
Der Weg zur Autobahn war dann aber recht problemlos, und auf der Autobahn ist das Fahren dann eher unkritisch. Ich hatte mir vorab bei Kleinanzeigen die guten EMUK Außenspiegel-Verlängerungen besorgt – und die sind auch Gold wert. Der Wohnwagen zieht sich natürlich deutlich anders als allein, insbesondere bei Bodenwellen wird der Octavia vom Anhänger mit durchgeschüttelt. Kurven wollen antizipiert, Spurwechsel rechtzeitig eingeleitet werden. Bei ca. 100 km/h machte ich meine erste Erfahrung mit schlingerndem Anhänger. Kurz vom Gas – und alles beruhigte sich wieder. Unser Wohnwagen hat zwar eine Anti-Schlingerkupplung, aber das allein kann Schlingern nicht gänzlich verhindern. Wir hatten bei der Anreise zwar versucht auf die Gewichtsverteilung zu achten, aber gemessen hatte ich die Stützlast dann in der Hektik der Abreise nicht mehr. Beim nächsten Mal aber hatte ich mir extra eine günstige Stützlastwaage besorgt.
Unser Learning: Vor der Abfahrt kurz Stützlast prüfen, Ziel ist ein Wert kurz unter dem Maximum zu finden. Beispiel: Meine Anhängerkupplung hat eine Stützlast von 75 Kg – also versuche ich die Beladung so zu gestalten, dass ca. 70-75Kg auf der Anhängerkupplung liegen.
Campingplatz und Platzbezug
Der Check-in war reibungslos – wir hatten bereits vorab einen Platz reserviert. Eigentlich wollten wir nur 2 Nächte bleiben, aber da der Campingplatz 3 Nächte als Mindestaufenthalt verlangt und uns Lage und die Bewertungen gefallen haben, haben wir noch eine Nacht angehängt. Da wir uns an der Rezeption als Camping-Neulinge zu erkennen gegeben haben, durften wir einen Platz in der Nähe der Rezeption beziehen, bei dem wir nicht besonders viel rangieren mussten. Einer der neuen Nachbarn hat uns dann auch prompt beim Reinschieben des Wohnwagens und den ersten Schritten geholfen – die saßen nämlich noch etwas stümperhaft :).
Der Platz selbst liegt abseits von Ortschaften an einem Waldhang, mit einem kleinen Bach durchs Grundstück (am Rand), Spielplatz und guten Sanitäranlagen.
Daheim hatten wir eigentlich geplant, den “restlichen halben Tag” noch eine kleine Tour zu machen. Wie naiv, denn der Bezug und Aufbau von neuem Equipment hat wirklich länger gedauert. Zum Glück hatte Anna daheim bereits Linsen gekocht, die wir nun Abends nochmal aufgewärmt essen konnten.
Der Campingplatz war perfekt für unser erstes Mal. Saubere Sanitäranlagen, nette Nachbarn und ein Ausblick, der einfach sprachlos macht. Abends gab es selbst gekochte Linsensuppe — besser als jedes Restaurant.
Unser Learning: Nimm dir am Anreisetag nichts weiter vor, der Aufbau und Erkundung des Platzes frisst genug vom Tag.
Das Vorzelt

Da beim Kauf des Wohnwagen ein Vorzelt dabei war, wollten wir das natürlich auch mal zum Testen aufbauen – wohl wissend, dass sich das ansonsten für 3 Nächte fast nicht lohnt. Unsere Anleitung bestand aus WhatsApp-Bildern der Vorbesitzer, die einzelne Aufbau-Etappen und den Endzustand zeigten. Nun gut, das war zwar ausreichend, aber wenn man noch nie alle Einzelteile in der Hand gehabt hatte, war das doch zeitaufwendig. Da an den ersten beiden Tagen das Wetter noch regenfrei war, haben wir es zunächst nur bis zum Grundgerüst aufgebaut, also ohne Schlechtwetter-Wände. Für Nora war das Ganze auf jeden Fall sehr aufregend, gab es doch dabei soviel zu entdecken :).
Den Wohnwagen erkunden
Wie es sich für einen echten Mann gehört, habe ich mir die Anleitung unseres neuen 1300-kg-Spielzeugs natürlich vor unserer Reise nicht wirklich angeschaut. Und so wurde nach und nach alles selbst ausprobiert – mehr oder weniger erfolgreich:

Beim Auffüllen des Wassertanks von außen stellten wir erst einmal fest, dass wir keinen geeigneten Trichter für die schräge Einfüllöffnung hatten. Unsere Faltkanister sind dafür nicht ideal, aber irgendwie ging es. Leider kam danach nicht wie erhofft das Wasser aus dem Hahn. Wieder schnell Andi, unseren Vorbesitzer, angefunkt – nach etwas Fehlersuche war dann klar: Der Wassertank hat einen Stopfen, den man besser vor dem Befüllen verschließt – sonst plätscherte das oben eingefüllte Wasser direkt unter dem Wohnwagen wieder raus :D.
Abends hieß es dann, die Gastherme einmal anmachen. Bei der Wohnwagen-Übernahme sah das einfach aus, jetzt führten die gleichen Schritte zu nichts weiter als kaltes Klacken, aber keine Flamme war zu sehen. Gas an der Flasche war aufgedreht, die Einstellungen an der Therme sahen auch gut aus. Auch der Zündfunken wirkte sinnvoll. Wo war dann das Problem? Ganz einfach, der zentrale Gashahn am Herd wollte noch in die “Auf”-Stellung gebracht werden, dann wurde es auch schön warm. Endlich.
Tour zu den Todtnauer Wasserfällen

Da für den folgenden Freitag das Wetter noch gut gemeldet war, haben wir unsere Wanderung am Freitag gestartet. Direkt vom Campingplatz führt ein schöner Weg Richtung Todtnau. Hier hatte ich früh schon beim Bäcker Brötchen geholt (mit dem Auto 😉 ). Der Campingplatz hat auch eine Brötchenservice, aber wir hatten am Vortag versäumt unsere Brötchenbestellung rechtzeitig an der Rezeption abzuliefern.
Zu Fuß ging es dann durch schön herbstliche Landschaft, stetig leicht bergab.

Unser Ziel waren die Todtnauer Wasserfälle. An einer Rastbank mit toller Aussicht über das Tal haben wir dann gegessen und gewickelt. Für Nora war auch noch Zeit etwas die Vegetation am Straßenrand zu erkunden. Da wir die Wasserfälle am oberen Ende erreicht hatten, mussten wir uns erst mühsam gegen den Strom von internationalen Bus-Touristen nach unten kämpfen, um einen schönen Blick auf die tosenden Wassermassen zu bekommen. Nett hier, aber mit all den Touri’s eher nichts für uns. Nora fand es aus ihrer Trage auf meinem Rücken aber trotzdem sehr spannend.
Was wir auf dem Hinweg noch entspannt bergab gehen konnten – musst wir dann am Rückweg natürlich wieder hoch. Zum Glück hatte ich morgens ein paar Brötchen mehr geholt – schließlich darf der Packesel der Familie nie Hunger leiden ;-).
Messebesuch Caravan live
Passend zum schlechten Wetter am Samstag hatten wir den Besuch der Caravan Live Messe in Freiburg geplant. Die Fahrt dahin fühlte sich überraschend agil an – so ohne schwerfälligen Anhänger :). Nach dem Parken hatten wir uns entschieden, diesmal den Klapp-Buggy für Nora mitzunehmen – als Backup wie immer die Babytrage. Im Außenbereich der Messe waren einige Outdoor-Aussteller, viele mit innovativen und durchdachten Lösungen – aber meist nur für eine 2-Personen-Zielgruppe. Wir waren mehr nach Familientauglichen Fahrzeugen interessiert – rein aus Interesse ohne tatsächliche Kaufabsicht. Außerdem haben wir nach hilfreichen Camping-Gadgets Ausschau gehalten. Mit solchen gab es eine ganze Halle – aber meist mit Dingen die wir aktuell weniger brauchen: Dachzelte, Energiepakets, Wasserversorgung und allerlei Zubehör für Camper, Kastenwägen und Wohnmobile. Alles in allem war die Messe ok, aber wir hatten uns mehr Vielfalt erhofft, denn gefühlt hatten Dreiviertel der Angebote ein Paar als Zielgruppe. Dann eben doch im Herbst mal zur Caravan Salon in Düsseldorf, der weltgrößten Camping-Ausstellung.
Ein Sturm zieht auf
Am Ende des Ausflugstags zur Messe galt es dann aber noch, alles Sturmfest zu machen. Der Wetterbericht hatte nämlich Orkanböen und Temperaturen unter Null vorausgesagt.

Als erstes haben wir unsere Außenwände am Vorzelt angebracht, und dabei fest gestellt, wie schief die Konstruktion doch noch war. Trotz hier und da neu justieren des Gestänges und Nachspannens wollte das Zelt nicht so – draußen regnete es jetzt schon, und aus dem Inneren ließ sich nicht alles beheben. Da wir am nächsten Tag ohnehin alles wieder (total nass) abbauen wollten, beließen wir es bei unserem Dilettanten-Aufbau.
Der Boden in unserer Parzelle hatte immer wieder Steine, die beim reinschlagen der Heringe Probleme machten. Dabei kommt man unweigerlich immer wieder mit anderen Campern ins Gespräch. Das war uns sehr willkommen, waren wir doch genau deshalb hier: Um zu lernen und von den Erfahrungen anderer zu partizipieren. Nicht wenige davon waren Dauercamper, die ihren Wohnwagen dauerhaft hier stehen lassen, und dann immer am Wochenende hier dem Alltag entfliehen.
So richtig ernst hatte ich den angekündigten Sturm nicht genommen, auch weil der Campingplatz zwar auf dem Berg, aber doch auch geschützt im Wald lag. Ein freundlicher Holländer, auch Dauercamper über die Winter-Saison, konnte sich dann wohl meine Bemühungen, die Alu-Heringe ordentlich im Boden zu versenken, nicht länger mit ansehen, und brachte mir leihweise bis zum nächsten Tag seine Erdnägel: im Prinzip wie etwa 5 mm dicke Stahlnägel mit einem Steg unter dem Kopf zum Rausziehen. Gute und robuste Sache, damit war das Abspannen dann tatsächlich viel einfacher. Aber der Tipp eines anderen Campers hat mich dann noch mehr überzeugt: Schraubheringe, die mit der Bohrmaschine einfach in den Boden gejagt werden. Jaaa, die will ich unbedingt haben! 🙂

Nachts gab es dann tatsächlich ordentlich Sturm und wir haben uns gefreut im gemütlichen Wohnwagen im Trockenen zu sitzen. Das virtuelle Thermometer im Internet hat für diese Nacht auch leicht unter Null grad bestätigt. Die Heizung lief und der Wohnwagen wirkte immer noch dicht. Nur im Vorzelt gab es eine kleine Überschwemmung, da sich das Wasser vom Boden durch den Vorzeltteppich hoch gedrückt hatte.
Am nächsten Morgen mussten wir dann erst einmal das ganze Wasser aus den vielen Becken im Vorzeltdacht ausleeren – da hat es sich doch noch gerächt dass das Dach nicht ordentlich verspannt war. Aber zum Glück war das Wasser noch nicht schwer genug, dass wirklich etwas nachgegeben hat. Wieder was gelernt! Unsere Nachbarn hatten übrigens einfach ihr Sonnensegel schon am Vortag im Trockenen abgebaut – auch eine Möglichkeit – aber wir wollten ja testen und konnten dafür unseren Kram im Vorzelt noch ohne im strömenden Regen zu stehen packen.
Zurück nach Hause
Nachdem wir im strömenden Regen alle unsere Sachen gepackt und verstaut hatten, hieß es Abschied nehmen von unserem schönen ersten Campingwochenende. Der Tipp unseres Vorbesitzers, auf jeden Fall ausreichend Müllsäcke mitzunehmen, um nasse Sachen beim Abbau im Regen zu verstauen, war hier Gold wert. Die Anfangs schön sauber gefalteten Planen-Teile des Vorzelts mussten nun nämlich daheim noch gereinigt und getrocknet werden. Gefühlt wiegten die Planen nun das Doppelte, und durch die schiere Größe war die Reinigung sehr mühsam. Ich habe die Planen im gepflasterten Hof ausgerollt und mit dem Gartenschlauch sauber gemacht – aber bei ca. 4x2m Stücken lassen sich diese alleine nicht so einfach über die Leine hängen. Und wie bekommt man die Dinger denn sauber vom Pflaster – denn da klebt der Dreck gleich wieder dran?! Das Ganze Prozedere hat dann einige Stunden gedauert, bis ich alles irgendwo aufgehängt hatte – entweder auf mehreren Wäscheständern oder das größte Stück über dem Geländer im Treppenhaus, befestigt mit Kraftzwingen :). Die Vorstellung, das nun nach jedem Trip zu machen, habe ich gleich wieder verworfen, denn nach vielem Abwägen haben wir uns entschieden, das Vorzelt nach Möglichkeit vorerst nicht mehr zu nutzen. Es hat seine Berechtigung wenn man wirklich längere Zeit an einem Standort bleiben will, da kann man schon mal etwas mehr Zeit für Einrichtung und Abbau der temporären Heimat investieren – wir aber wollen eher mobil reisen und nur wenige Tage an einem Ort verbringen.
Unsere Learnings
Der Test war ein voller Erfolg! Wir wissen jetzt, dass wir bei angeschalteter Gasheizung gut bei unter Null schlafen können. Zwar haben wir nun noch keine Routine mit dem Wohnwagen, aber einige Handgriffe haben wir nun zumindest schon einmal gemacht. Während wir vor Ort waren, hatte ich mir immer gleich notiert, wenn uns eine mögliche Verbesserung oder ToDo aufgefallen war. Die Liste von zu reparierender Dinge, beschaffender Gadgets und anzupassender Einrichtung im Wohnwagen wird nun vor dem nächsten Trip im April 2026 umgesetzt. Hier mal ein kleiner Auszug:
- Plane am Anreisetag keine Ausflüge oder etwas Aufwendiges zu kochen
- Wenn Nora gegen 19.00 schlafen geht, wäre eine Trennwand oder Vorhang zum Abschirmen hilfreich
- Mit Plastikbesteck lässt sich Abends dann auch lautloser essen
- Kabelloser Staubsauger muss immer mit
- Sich jedes Mal die Schuhe an-/auszuziehen beim Verlassen des WW ist nervig, schnelle Schlappen – wie die von vielen Campern genutzten Crocs – müssen her
- Ein Vorzelt zum Aufblasen wäre eine Erwägung wert
- falls doch unser Vorzelt noch einmal verwendet werden soll, dann die Gestänge mit farbigem Klebeband markieren – so findet man die passenden Teile schneller.
- Nur Steckerleisten mit diagonalen Steckdosen einpacken
- Gurte oder Möglichkeiten zur Ladungssicherung der Kisten im Inneren fehlen
- Ablaufpläne und Prozeduren aufschreiben und ggf. einlaminieren: Als Neuling vergisst man schnell etwas – beim An- und Abkuppeln, bei Gasheizung und Wassersystem, beim Fahrbereit-Machen oder beim Aufbau im Dunkeln.
- Dinge die wir noch brauchen:
- Wassertrichter für die schräge Wasser-Einfüllöffnung am Wohnwagen
- Schraubheringe 🙂
- Abspannhilfen ohne viel Fummelei wenn es schnell gehen muss
Zudem hatte ich unseren Gasverbrauch anhand des Gewichts der Gasflaschen protokolliert sowie mit einem Energiekostenmessgerät gemessen, was wir so verbraucht haben. Das hilft uns, für die Zukunft besser zu planen: Was ist die günstigere Variante zu heizen? Wieviel Gas brauchen wir pro Tag zum Heizen, für die Nacht, und zum Kochen?
Unsere Mit-Camper waren alles nette und hilfsbereite Zeitgenossen, das macht Lust auf die nächste Tour.
Habt ihr noch weitere Tipps für uns, schreibt uns gern einen Kommentar!